ICOM Museums-Definition

Die derzeitige ICOM-Definition des Begriffs 'Museum' stammt aus dem Jahr 2007. Nun soll sie geändert werden.

 

Die ICOM-Definition des Begriffs 'Museum' stammt in ihrer aktuellen Version aus dem Jahr 2007 und wurde auf der 22. ICOM-Generalversammlung in Wien angenommen:

"A museum is a non-profit, permanent institution in the service of society and its development, open to the public, which acquires, conserves, researches, communicates and exhibits the tangible and intangible heritage of humanity and its environment for the purposes of education, study and enjoyment.1

Auf der 25. ICOM General-Konferenz 2019 in Kyoto stand nun unter anderem die Abstimmung über eine Neufassung der ICOM-Definition des Begriffs auf der Tagesordnung:

Museums are democratising, inclusive and polyphonic spaces for critical dialogue about the pasts and the futures. Acknowledging and addressing the conflicts and challenges of the present, they hold artefacts and specimens in trust for society, safeguard diverse memories for future generations and guarantee equal rights and equal access to heritage for all people.
Museums are not for profit. They are participatory and transparent, and work in active partnership with and for diverse communities to collect, preserve, research, interpret, exhibit, and enhance understandings of the world, aiming to contribute to human dignity and social justice, global equality and planetary wellbeing.2

Der Neue Entwurf wurde von einer Kommission unter der Leitung von Jette Sandahl erarbeitet. Diese war im Nachgang der ICOM General-Konferenz 2016 in Mailand damit beauftragt worden die derzeitige Definition zu untersuchen. Sandahls größte Kritik an der bisherigen Definition ist, dass sie weder die Sprache des 21. Jahrhunderts spreche noch auf akutelle Forderungen nach "Kultureller Demokratie" eingehe.3

Als Reaktion darauf beantragten 24 Nationalkommitees (darunter Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland, Kanada und Russland) und fünf internationale Komitees die Verschiebung der Abstimmung, um Zeit für weitere Beratungen zu bekommen und einen neuen Vorschlag erarbeiten zu können.

Bei der Abstimmung in Kyoto im September 2019 wurde der Antrag auf Aufschiebung der Entscheidung nun mit 70,41 % der Stimmen angenommen.

Kritiker_innen, wie z.B. François Mairesse, werfen dem neuen Entwurf vor, dass es sich nicht um eine Definition handle, sondern eher um eine "Aussage über modische Werte". Sie sei viel zu kompliziert und weiche teilweise von ihrem eigentlichen Zweck ab.4

Der ursprüngliche Zweck war es, verbindlich festzuhalten welche Aufgaben Personen und Institutionen erfüllen müssen, wenn sie Mitglied des ICOM sind oder es werden möchten. Mittlerweile orientieren sich aber auch Behörden, Förderstiftungen und Lexika an der ICOM-Definition. Es wird außerdem davon ausgegangen, dass sie Gesetzgebern in vielen Länder als Orientierunghilfe dient.

Das Magazin The Art Newspaper bezeichnet den Streit als eine "[...] Debatte zwischen der alten und der jungen Generation oder zwischen der lateinischen Tradition und der angelsächsischen Bewegung, welche sich eher in Richtung eines 'inklusiven' Modells verändert".5

Die Definition des Begriffs 'Museum' ist ein empfindlicher Streitpunkt, der nach Einschätzung einiger Expert_innen, sogar eine noch nie dagewesene Spaltung der Institution 'ICOM' mit sich bringen könnte.

 

Quellenangaben:

  1. ICOM International Council of Museums (2019): Museum Definition. Creating a new museum definition – the backbone of ICOM <https://icom.museum/en/activities/standards-guidelines/museum-definition> (letzer Abruf am 01.10.2019)
  2. Ebd.
  3. Vincent Noce (2019): What exactly is a museum? Icom comes to blows over new definition, In: The Art Newspaper (19.06.2019) <https://www.theartnewspaper.com/news/what-exactly-is-a-museum-icom-comes-to-blows-over-new-definition> (letzter Abruf am 01.10.2019)
  4. Ebd.
  5. Ebd.